An einem Montagmorgen im Januar in der Basisstufe…

Von den meisten unserer Lernenden freudig-rennend, von andern noch offensichtlich träge und  müde werde ich begrüsst an diesem kalten und etwas dämmerigen Januarmorgen.

K ist schon hellwach und muss es grad unbedingt und umgehend wissen (im Türrahmen): “esse ich heute in der Schule?”- “hat A heute Therapie? und bei wem?”-

Jemand anders: “ich will die Schuhe anbehalten!”-

im Gang liegengelassene Kleider.

Ein Kind möchte am liebsten grad  mit rennen und klettern anfangen, eines war im Bus eingeschlafen und droht bald wieder einzunicken auf seinem Stuhl wenn nicht rasch etwas passiert…

Montagmorgen halt, denke ich mir.

So unterschiedlich sind diese 8 persönlichen Welten dieser Kinder.

Und darum fangen wir mit einem gemeinsamen Lied im Stuhlkreis an.

Jedes Kind hat Gelegenheit sich mitzuteilen und einzubringen.

Die einen mit Worten, andere mit Gesten, Blicken und Phantasiesprache, andere mit Lauten, mit Gebärden und einer an diesem Morgen schweigend mit müder Haltung und schläfrigem Gesicht.

Mit Piktogrammkarten legen wir miteinander den Tagesplan.

Das ist für die Lernenden etwa so wichtig wie unser Blick in die Agenda und Pendenzenliste für den Tag.

Fragen werden geklärt die für einzelne Kinder von belang sind, wie etwa, ob man Spielpause draussen hat, oder ob man Therapie hat.

Oder wer trocknet heute das Geschirr vom Znüni ab?

Und wir klären, dass heute kein Turnunterricht ist, sondern schwimmen am Nachmittag. Nein, – leider nur für die Schüler… “und wann bin ich eigentlich Erstklässler?- und wann habe ich Geburtstag?- aber ich bin doch schon grösser als G, und nur G darf schwimmen. Ich will auch schwimmen!”

Alles wichtige Fragen und Anliegen, die wir mit diversen Piktogrammplänen beantworten können (für den Moment jedenfalls).

Für die Kinder bedeuten diese Pläne eine grosse Orientierungshilfe und Struktur, aber auch selbständigkeit, da sie Fragen oft erübrigt und man selber nachsehen kann, was als Nächstes dran ist.

Einige Lernende basteln heute selbständig an Papiergirlanden weiter (und super! Sie wissen noch wie’s geht, was mich sehr freut!)

Andere erledigen Kistenaufgaben (wie z.B etwas auffädeln, Sachen sortieren nach diversen Kriterien, Puzzle…)

Belohnung muss allerdings sein, da sonst sie Motivation schnell abhanden kommt.

Aktuell gilt drum für G: Eine Kistanaufgabe korrekt erledigen, danach darf er 3 Minuten Lernspiele machen auf dem Schul-iPad.

Dann gibts die nächste Arbeitskiste.

W macht mit Hilfe das Znüi parat. K und Y helfen ihm dann beim Tischdecken und Wasser eingiessen in die Becher.

Tischdecken ist übrigens nicht so ganz einfach. Man muss viel wissen und noch mehr können:

-wer sitzt wo- auf welchem Stuhl?

-wer braucht einen Teller, wer nicht?

-wer hat Quark zum Znüni?

-haben alle Kinder einen Becher?

-wie viel sind wir überhaupt?

????

Dann muss man das Wasser eingiessen auch erst mal beherrschen. Das ist doch ziemlich knifflig und will erst mal gekonnt sein.

Ja, dann gibts natürlich auch beim Znüni viel ‘du sollst’ und noch mehr ‘das darfst du nicht’.

Und doch gibts auch an diesem Tag wieder ein lustiges und lebhaftes Miteinander an dem jedes Kind in seiner Art mitmacht und teil hat (und seine speziellen Herausforderungen dabei hat)

Ein Highlight des Morgens ist aber die Pause auf dem neuen Spielplatz- und leider ist sie oft viel zu rasch wieder vorbei.

Verständlich, dass es immer wieder Lernende gibt, die sich statt rein zu gehen bei Pausenende kurzum auf den Boden setzen und hoffen, die Pause dauere so für sie länger-

Aber auch hier: Man darf viel wählen, aber leider längst nicht alles…

Nun braucht es Arbeiter zum abtrocknen und allerhand fremdbestimmte Aufgaben.

Alle, ihrem Können und Lernbedarf entsprechend.

Alle etwas anderes- und alle doch am gleichen: Alle sind am lernen und alle sind mit Eifer und Interesse dabei (in der Regel).

Zum Schluss gibts für alle eine Sequenz, bei der sie selber wählen, was sie mit wem machen wollen. Auch hier wieder darf man viel -aber nicht alles.

Vieles ist anders als zu Hause.

Nur schon das Teilen ist nicht immer nur lässig, aber schliesslich ist man unter Freunden. Da ist man freundlich und geht Kompromisse ein zugunsten des gemeinsamen spielens.

Ja, ein erlebnisreicher Morgen. Ein Wintermorgen gleich normal wie andere Wintermorgen an der HPS- und doch immer wieder etwas anders.

Genau so wie es für unsere Lernenden normal ist, verschieden zu sein.