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Lernen durch Handeln
März 2018 – Sibylle Klotzbücher
Einzelförderung

Handlungsorientiertes Lernen: was bei einer Legokonstruktion alles gelernt wird.

Handlungsablauf

Wichtig: Je nach Entwicklungsalter müssen die einzelnen Handlungsschritte dem Lernenden auf gegenständlicher, bildlicher (Fotos, Pictos, Zeichnungen) oder symbolischer Ebene (Schrift) präsentiert werden.

  1. Verpackung öffnen und Legobausatz auf den Tisch leeren
  2. Konstruktionsanleitung lesen
  3. Die einzelnen Teile suchen, zuordnen und zusammenstecken

Je nach Entwicklungsstand des Lernenden können mehr oder weniger Tätigkeiten beobachtet und gefördert werden.

Folgende Aktivitäten können beim Konstruieren mit Lego den verschiedenen ICF-Lernbereichen zugeordnet werden. Die Ausführungen sind nur beispielhaft und nicht abschliessend.

  •  Allgemeines Lernen

Der Lernende lässt sich auf eine fremd- oder selbstbestimmte Aufgabe ein und motiviert sich dafür. Der Lernende richtet seine Aufmerksamkeit aus, fokussiert, findet Lösungen, plant und setzt um. Er stellt einen Zusammenhang zwischen den unverbundenen Legoteilchen her. Der Lernende bringt sein Vorwissen ein.
Er kann Farben, Grösse, Formen der Legoteilchen zuordnen. Aus einem Wirrwarr von Teilchen findet er die korrekten, benötigten Teilchen. Er nimmt die Eigenschaften der verschiedenen Legoteilchen über den Seh- und Tastsinn wahr und setzt die Gegenstände in räumliche Beziehung. Wenn er etwas nicht kennt, fragt er nach. Er führt die Bewegungen aus, koordiniert seine Hände und Finger und dosiert seine Kraft.

  • Spracherwerb und Begriffsbildung

Der Lernende benennt die Legoteilchen, beschreibt seine Tätigkeiten, seine Handlungen, sein Ziel und erweitert seinen Wortschatz.

  • Lesen und Schreiben

Der Lernende liest die abgebildete oder beschriebene Anleitung. Er kann den Ablauf der Handlung auch für seine Mitschüler oder Eltern aufschreiben und beachtet dabei die Schreibregeln.

  • Mathematisches Lernen

Der Lernende erfasst Farben, Formen und Mengen und ordnet diese zu. Durch das Zusammenfügen und Trennen der Legoteilchen erkennt er das Teil-Ganze-Prinzip. Je nach Entwicklungsalter wendet er die Operationsbegriffe Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division an.

  • Umgang mit Anforderungen

Der Lernende erledigt die aufgetragene Aufgabe selbstständig oder mit Unterstützung und übernimmt Verantwortung. Er ist motiviert und bleibt an der dargebotenen Aufgabe ausdauernd dran. Er schätzt seine Leistungsfähigkeit ein und erkennt seine Grenzen. Er freut sich über seinen Lernerfolg bzw. das Handlungsresultat. Eigene Misserfolge akzeptiert er und anerkennt sie als Lernweg.

  • Kommunikation

Der Lernende versteht und teilt sich mit. Wenn nötig bittet er um Hilfe und nimmt Hilfe an. Er wendet die Begriffe angemessen an, stellt Fragen und antwortet.
Er erzählt vom Ablauf der Handlung und vom Endprodukt. Er bringt sich in ein Gespräch ein und beteiligt sich.

  • Bewegung und Mobilität

Der Lernende koordiniert seine grob- und feinmotorischen Bewegungsabläufe.
Er dosiert seinen Krafteinsatz und koordiniert seine Finger-, Hand-, Schulter- und Ellbogenbeweglichkeit. Durch die feinmotorische Arbeit fördert er seine Hand-Hand und Auge-Hand-Koordination. Er bringt die Gegenstände in eine räumliche Beziehung. Der Lernende macht taktile, kinästhetische, vestibuläre sowie propriozeptive Wahrnehmungserfahrungen.

  • Für sich selber sorgen

Der Lernende schätzt den Umgang mit gefährlichen Situationen, wie zum Beispiel das Verschlucken der kleinen Legoteilchen, korrekt ein und geht damit richtig um. Konsequenzen kann er abschätzen. Der Lernende teilt seine Bedenken und seine Bedürfnisse mit. Alltägliche, neue und schwierige Aufgaben führt er aus, bewältigt diese selber oder erarbeitet sie und sucht nach Lösungen. Er lässt sich auf neue Sachen ein und zeigt Interesse. Er arbeitet genau und sorgfältig.

  • Umgang mit Menschen

Der Lernende nimmt mit anderen Menschen Kontakt auf. Er sagt und teilt mit, was er braucht. Andere Meinungen versteht er und kann diese akzeptieren.
Der Lernende zeigt Verständnis, fühlt sich ins Gegenüber ein und nimmt Rücksicht.
Er kann Hilfe einfordern und annehmen. Der Lernende lässt sich gemeinsam auf eine Handlung ein.

  • Freizeit, Erholung und Gemeinschaft

Der Lernende stellt das Endprodukt, die fertige Konstruktion, in der Klasse oder in der Familie vor. Er wiederholt die Handlung zu Hause, bei einem Freund oder in der Klasse. Er spielt mit der Legokonstruktion Rollenspiele mit seinen Freunden.

Variationsmöglichkeiten

  • Konstruktionen 1:1 Schritt für Schritt mit einem zweiten Bausatz vor- bzw. nachmachen
  • Konstruieren ohne Anleitung
  • Konstruieren mit grösseren Duplos
  • Konstruieren von komplexeren Anfertigungen
  • Konstruieren mit verschiedenen Materialien wie Schwämmen, Bauklötzen, Zündhölzer, Kartonrollen etc.
  • Konstruieren mit Schrauben und Muttern usw.
2018-08-23T09:48:52+00:00